„Was stellt mein Geld gerade an, wenn ich nicht aufpasse?“

Als „Dirk of the DAX“ der Frankfurter Wertpapierbörse ist Dirk Müller genauso populär wie als leicht verständlicher und humorvoller Ratgeber in Sachen Geld. Ein Gespräch mit Deutschlands bekanntestem Finanzexperten über Edelmetall- und Rohstofaktien, den Garanten Gold und seine Wut auf Spekulationen mit Grundnahrungsmitteln.

Wie sicher sind Edelmetall und Rohstoffaktien allgemein im Vergleich zu anderen Aktien?

Sie sind schon schwankungsfreudiger als andere Aktien, beispielsweise solche aus dem Bereich Pharma oder Telekommunikation. Ein paar Rohstoftitel sind daher eine schöne Beimischung im Portfolio. Man sollte jedoch nicht zu viel investieren.

Wie beurteilen Sie Silber und Gold?

Der Goldpreis ist in den letzten zehn Jahren massiv von rund 250 US Doller auf jetzt 1.700 US Dollar angestiegen. Früher lautete das Schlagwort dagegen: Gold bringt keine Dividende. Und man kann es auch nicht essen. Aber versuchen Sie mal `ne Aktie zu essen, schmeckt auch nicht besser. Stattdessen birgt es aber eine Garantie – die Kaukraft kann zwar schwanken, aber ich bekomme immer etwas dafür, es kann also nie wertlos werden.

Gold ist für alle Zeiten eine gute Vermögensbeimischung. Andererseits kann es aber genauso wie Silber im Preis schwanken. Und am Ende bezahlt man in Euro und nicht in Unzen. Deshalb ein Tipp: Die Edelmetalle in kritischen Phasen mit Verkaufsoptionen gegen Kurseinbrüche versichern. Das kostet ein paar Prozent Rendite, aber es gibt auch keinen goßen Vermögensschaden.

Wie investiert man konkret?

Am besten in Münzen von seriösen, namhaften Händlern. Generell würde ich auch in die Unternehmen investieren, die Minen betreiben, seit vielen Jahren auf dem Markt sind und eine sehr hohe Marktkapitalisierung von mindestens 500 Millionen Dollar haben. Das ist wichtig, denn Minenaktien sind die gefährlichsten überhaupt. Hier wird viel Schindluder getrieben. Finger weg von den kleinen Explorern, die hoffen, irgendwann mal Rohstoffe zu finden und meistens Pleite gehen. Achtung auch bei den vielen kostenlosen, aber nutzlosen Börsen-Newslettern, die gern mal im Briekasten landen.

Was halten Sie von Soft Commodities, also Anlagen in Lebensmitteln wie Weizen oder Mais?

Mein Motto ist: Finger weg von Spekulationen mit den Grundnahrungsmitteln. Das hat in den letzten zehn Jahren Fahrt aufgenommen und wird immer mehr, weil Investoren und große Bankhäuser dieses Spielfeld für sich erkennen und hohe Summen investieren. Das führt zu Kurskapriolen und ist für die Erzeuger und Verbraucher katastrophal, vor allem dramatisch für die Menschen in der Dritten Welt. Ein Skandal, viele verhungern nur, weil an der Börse die Preise hoch- und runterjagen.

Und beteiligt ist auch der Verbraucher, der nur 100 Euro investiert. Bis die Politik hier nichts verbietet, müssen wir unserem gesunden Menschenverstand vertrauen. Man fragt sich am besten: Was stellt mein Geld gerade an, wenn ich nicht darauf aufpasse? Und ist die Investition sinnvoll für unsere Gesellschaft? Also nicht immer nur an Rendite denken, sondern auch an die Moral.

Wie kann man dennoch vernünftig vom positiven Trend auf dem Agrarmarkt profitieren?

Ähnlich wie bei den Minenfirmen stellt man Eigenkapital den legitimen Firmen zur Verfügung, die die Produktion erweitern und die Landwirtschaft unterstützen, beispielsweise Traktoren- oder Düngerhersteller. So nimmt man sinnvoll am Aktienmarkt teil – ohne Schaden zu verursachen.