{"id":2925,"date":"2018-03-17T09:46:32","date_gmt":"2018-03-17T08:46:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dominikmaassen.de\/?p=2925"},"modified":"2022-06-30T06:46:24","modified_gmt":"2022-06-30T05:46:24","slug":"2925","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dominikmaassen.de\/?p=2925","title":{"rendered":"Mehr Zeit f\u00fcr den ganzen Menschen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine Stunde Bewegung am Tag in Schulen, \u00c4rzte mit mehr Zeit und Empathie f\u00fcr Patienten und vor allem: einen langen Atem auf dem Weg zu einer Medizin, die den Menschen nicht als Kostenfaktor, sondern als Ganzen betrachtet. Das w\u00fcnscht sich Prof. Dr. med. Dietrich Gr\u00f6nemeyer. Ein Gespr\u00e4ch mit ihm. <\/strong><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><strong><span class=\"tm10\">Sie fordern eine menschliche Medizin &#8211; was verstehen Sie genau darunter? <\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Eine Medizin, in der der Mensch im Mittelpunkt steht. Eine Medizin, in der der Patient mit dem Arzt auf Augenh\u00f6he kommuniziert, von Mensch zu Mensch, aber mit dem Wissen um das Wissen des anderen. Eine Medizin, in der miteinander gesprochen wird, mit gen\u00fcgend Zeit. In dem kein Patient Angst haben muss vor einem \u201eHalbgott in Wei\u00df\u201c, sondern sich aufgehoben f\u00fchlt. \u00dcberhaupt kann die Bedeutung des Arzt-Patienten-Verh\u00e4ltnisses in der Medizin gar nicht hoch genug eingesch\u00e4tzt werden. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Als Arzt habe ich es ja immer mit dem ganzen Menschen zu tun, mit K\u00f6rper, Geist und Seele. <\/span><span class=\"tm10\">Besonders schlagend wird diese Forderung nach Vertrauen zwischen Arzt und Patient angesichts eines der Grenzf\u00e4lle der menschlichen Existenz: dem nahenden Tod. Die sprechende, die empathische Medizin m\u00fcssen ein Umfeld schaffen, in dem auch der sterbende Mensch in seiner W\u00fcrde respektiert wird. Hohe Anforderungen an den Arzt sind damit verbunden. Dass zum Leben der Tod geh\u00f6rt und gerade in diesem Kontext das Kunstwerk Leben geachtet sein will, geh\u00f6rt zu den schwierigsten Tatsachen und Aufgaben, vor denen ein Mensch stehen kann. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Der Arzt ben\u00f6tigt hier also nicht die medizinisch-technische Kompetenz im engeren Sinne, sondern auch eine empathische Dialogf\u00e4higkeit. Das braucht eine entsprechende Ausbildung, das braucht Zeit in der \u00e4rztlichen Praxis, das braucht eine Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die h\u00f6rende und sprechende Medizin, das erfordert das Verst\u00e4ndnis von einer Medizin auf Augenh\u00f6h<\/span><span class=\"tm10\">e und den Ausbau der Palliativmedizin. Das erfordert aber auch Supervision der Therapeuten, auch des Arztes. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Denn auch wir \u00c4rzte haben Angst, nicht selten auch vor dem Tod, machen Fehler und sind nicht unfehlbar. <\/span><span class=\"tm10\">Wir alle k\u00f6nnen sehr schnell zur Patientin, zum Patienten werden \u2013 und w\u00fcnschen uns doch f\u00fcr diese Situation die kompetenteste \u00a0und liebevollste Betreuung. <\/span><span class=\"tm10\">Eine partnerschaftliche, vielleicht nicht immer konfliktfreie, doch vertrauensvolle Kommunikation zwischen Arzt und Patient kann den Gesundungsprozess aktivieren und massiv unterst\u00fctzen. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Zum anderen: Ich selbst bin Schulmediziner, pl\u00e4diere aber seit langem f\u00fcr ein Zusammenwirken der verschiedenen therapeutischen Methoden, ohne dogmatische Scheuklappen, also Schulmedizin, Hightech, aber eben auch komplement\u00e4re Verfahren und Naturheilkunde. So halten wir es auch im Gr\u00f6nemeyer Institut in Bochum oder Berlin. Vieles w\u00e4re ja ohne naturheilkundliche Erfahrung nicht denkbar. Das Aspirin unter anderem oder die Vielf\u00e4ltigkeit der Massagen in allen Kulturen. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Und wer wollte schlie\u00dflich bestreiten, dass wir Schulmediziner hinsichtlich der menschlichen Zuwendung noch manches von den Vertretern der alternativen Medizin lernen k\u00f6nnen. Weil sie sich die Zeit nehmen, die wir selbst immer weniger zu haben glauben, gehen die Patienten zu ihnen. Diese Bereitschaft, \u201esich einzulassen\u201c, ist das Entscheidende. Sie heilt oft mehr als die verschriebenen Pillen. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Sogar Placebos zeigen danach erstaunliche Wirkung, wie die Forschung nachgewiesen hat. Sie schaffen aus einem chemischen Nichts, einen biologischen Effekt. Das alles hei\u00dft aber nicht \u2013 um jeglichem Missverst\u00e4ndnis vorzubeugen -, dass hier dem Handauflegen oder irgendwelcher Geisterbeschw\u00f6rung das Wort geredet werden soll, obwohl auch das in manchen Kulturen seine Bedeutung hat. Nein, darum geht es nicht. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">F\u00fcr die Naturheilkunde gilt selbstverst\u00e4ndlich das Gleiche wie f\u00fcr die Schulmedizin: Das heilende Ergebnis der Verfahren muss nachweis- und wiederholbar sein, selbst wenn der Wirkungsmechanismus nicht immer erkl\u00e4rbar sein mag, noch nicht. Wo sie aber helfen k\u00f6nnen, sollte man die Behandlungsmethoden der jeweils anderen Seite auch gelten lassen. Niemand hat das Recht, irgendeine M\u00f6glichkeit der Behandlung sozusagen von vornherein auszuschlie\u00dfen. Das Wohl des Patienten muss immer im Vordergrund stehen, und das ist doch eine wunderbare Aufgabe f\u00fcr uns \u00c4rzte und Therapeuten.<\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><strong><span class=\"tm10\">\u00c4rzte sollen sich Ihrer Meinung nach st\u00e4rker als Seelsorger begreifen. Aber scheitert das bei der Mehrzahl Ihrer Kollegen nicht in der Realit\u00e4t schlicht an Zeit und Geld?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515meinstandard tm9\"><span class=\"tm10\">Ja, es gibt immer Probleme mit der Zeit. Aber so richtig m\u00f6chte ich das nicht gelten lassen, wir haben ja immer zu wenig Zeit. Die Empathie ist das Entscheidende, und diese kann man auch einem Menschen zeigen, wenn nicht viel Zeit da ist.<\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515meinstandard tm9\"><span class=\"tm10\">Lassen Sie mich eine Geschichte erz\u00e4hlen. Vor Jahren bin ich auf einen Text gesto\u00dfen, der mich sehr fasziniert hat. Hintergrund ist das Russland des 19. Jahrhunderts \u2013 und doch illustriert dieser Text etwas Zeitloses. Leo Tolstoj schildert in \u201eKrieg und Frieden\u201c eine Szene, nachdem F\u00fcrst Andrej eine schreckliche Verwundung im Kampf davongetragen hatte: \u201eDer Arzt beugte sich tief \u00fcber die Wunde, untersuchte sie und seufzte schwer. Dann gab er jemandem ein Zeichen. Und nun lie\u00df ein qu\u00e4lender Schmerz im Inneren des Leibes F\u00fcrst Andrej das Bewusstsein verlieren &#8230; als er wieder zu sich kam, waren die zerschmetterten H\u00fcftknochen entfernt, die Fleischfetzen weg geschnitten und die Wunde verbunden. Man besprengte sein Gesicht mit Wasser. Als er die Augen wieder aufschlug, beugte sich der Arzt \u00fcber ihn, k\u00fcsste ihn schweigend auf die Lippen und entfernte sich eilig.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Vor diesem Hintergrund ist mir ein eigenes Erlebnis in Erinnerung: Ich kam sp\u00e4t nachts an einer Unfallstelle vorbei. Drei Sanit\u00e4tswagen und ein Hubschrauber waren da, ein Verletzter lag v\u00f6llig allein gelassen auf der Stra\u00dfe. \u00c4rzte und Sanit\u00e4ter waren dabei, heftig dar\u00fcber zu diskutieren, in welche Klinik der Patient eingeliefert werden sollte. Dieses Bild hat mich nicht losgelassen. Es veranschaulicht, in welcher Gefahr unser Gesundheitssystem steckt. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Im Kontrast dazu hat das Zitat von Leo Tolstoj f\u00fcr mich eine zentrale Bedeutung, auch wenn uns das Pathos fremd sein mag: Nat\u00fcrlich ist heute nicht vorstellbar, dass ein Arzt einen Patienten k\u00fcsst. Aber Tolstoj stellt eine solch ausgepr\u00e4gte Form der Zuwendung und Empathie des Arztes dar, gerade in einer extremen Situation, dass ich diese menschliche Geste einfach unglaublich eindrucksvoll finde. Der Text illustriert f\u00fcr mich, was liebevolle Medizin ist: die mit-menschliche F\u00fcrsorge eines Arztes. Jedenfalls macht mich die Geste der Hingabe, die Tolstoj beschreibt, immer wieder nachdenklich. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">In der Hetze des medizinischen Alltags, getrieben von Kostendiskussion und Einsparpolitik, verlieren wir oft genug das Wesentliche aus dem Blick. Verwaltungen, \u00c4rzte oder auch Krankenschwestern \u2013 eine wesentliche St\u00fctze der Medizin, die immer vergessen wird und unterbezahlt ist \u2013 werden mit st\u00e4ndig neuen Erlassen lahmgelegt. Krankenhausabteilungen oder -h\u00e4user werden geschlossen und ganze Berufsst\u00e4nde schlecht geredet. Aber in der Medizin darf es nicht vorrangig um Verwaltung, um \u00d6konomie, um den Arzt als Funktions-Dienstleister oder den Patient als Kostenfaktor gehen: um uns Menschen geht\u2019s. Und wir wollen gesund bleiben oder wohlbefindlich aus einer Therapie entlassen werden. Besonders nach einem Krankenhausaufenthalt! <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><strong><span class=\"tm10\">Wann ist in Ihren Augen ein Mensch gesund und wie spielen Seele und Geist eine Rolle?\u00a0<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">So wie es nicht den einen Menschen gibt, sondern eine unendliche Zahl verschiedener Individuen, gibt es auch nicht die Gesundheit oder die Krankheit. Niemand ist hundertprozentig gesund. Das Absolute war, ist und wird immer ein Ideal bleiben, eine Herausforderung. Tats\u00e4chlich leben wir Menschen seit jeher und fortdauernd in einem Spannungsfeld zwischen gesund und krank. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Das wusste schon der j\u00fcdische Arzt Maimonides im 12. Jahrhundert; und noch viel fr\u00fcher wurde der Zustand von Platon philosophisch ergr\u00fcndet. Entscheidend ist das subjektive Wohlbefinden. Wie ich manchmal sage: Ein \u201efitter Dicker\u201c ist mir lieber als ein \u201eschlanker Schlaffi\u201c. Nat\u00fcrlich ist Bewegung und Sport, gesunde Ern\u00e4hrung und stressfreies Leben wichtig. Aber da gibt es eben sehr unterschiedliche Vorlieben. Mir gef\u00e4llt deshalb auch die Ern\u00e4hrungslehre im Ayurveda, wo nach verschiedenen Typen eingeteilt und die Nahrung dementsprechend zubereitet wird. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Und dem einen Menschen macht es Spa\u00df, im Fitness-Studio zu trainieren, ein anderer geht lieber tanzen und Fahrradfahren in der Natur. Aber darin liegt eben auch die Verantwortung jedes Einzelnen: Es gibt eben keine Pille, die man schlucken kann, um immer gesund zu bleiben.\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><strong><span class=\"tm10\">Sie sagen, dass gerade der R\u00fccken uns oft etwas sagen m\u00f6chte: Was erz\u00e4hlt er uns Menschen denn so? <\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"tm11 yiv3535807515msonormal tm12\"><span class=\"tm10\">Der R\u00fccken w\u00fcrde sagen: Denk an mich, nicht erst, wenn dir etwas weh tut! Ich bin ein Wunderwerk, zentral in deinem K\u00f6rper. Ohne mich k\u00f6nntest du nicht aufrecht stehen! K\u00f6nntest nicht herausfinden, welche \u201eLast Dir auf den Schultern liegt\u201c oder was \u201eDein Kreuz bricht\u201c. Ich schaffe Haltung, aber bin auch ein Sensibelchen und k\u00f6nnte unter einer psychischen Last \u201ezerbrechen\u201c. Aber deshalb meide ich mich auch zwischen durch mit Schmerzen, damit Du aufmerksam wirst. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm11 yiv3535807515msonormal tm12\"><span class=\"tm10\">Als ein zentrales Organ bin ich \u00fcber zahllose Nervenbahnen mit den verschiedensten Regionen, mit Organen und Gliedma\u00dfen vernetzt. So kann etwa der Fu\u00df schmerzen, obwohl er an sich v\u00f6llig gesund ist. Denn aus den Wirbeln treten Nervenb\u00fcndel aus, die zu jeweils unterschiedlichen Bereiche des K\u00f6rpers f\u00fchren. Wenn diese Versorgungswege gest\u00f6rt sind, weil etwa eine Bandscheibenl\u00e4sion oder eine Arthrose in den kleinen Wirbelgelenken die Nerven quetscht, k\u00f6nnen die Organe betroffen sein. Leider wird dieser im Grunde einfache Zusammenhang bei vielen Diagnosen nicht ausreichend ber\u00fccksichtigt. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm11 yiv3535807515msonormal tm12\"><span class=\"tm10\">Die geplagten Patienten laufen dann vergeblich von Arzt zu Arzt. Dabei k\u00f6nnte man die Ursache mit einer sorgf\u00e4ltigen Untersuchung oder einem bildgebenden Verfahren leicht erkennen. Schnell w\u00fcrde sich herausstellen: Kopfschmerzen und Schwindelgef\u00fchle, aber auch Schlaflosigkeit und Nackenverspannungen k\u00f6nnen damit zusammenh\u00e4ngen, dass in der Halswirbels\u00e4ule Nerven gereizt sind, gerade am Atlaswirbel, wo Nerven liegen, die die Blutzufuhr zum Gehirn steuern. St\u00f6rungen in der Brustwirbels\u00e4ule k\u00f6nnen sich als Druck und Schmerz in der Herzgegend bemerkbar machen. Was scheinbar auf Herzprobleme hindeutet, hat dann mit dem Herzen selbst gar nichts zu tun. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm11 yiv3535807515msonormal tm12\"><span class=\"tm10\">Oder ein anderes Beispiel f\u00fcr den gleichsam fremdgesteuerten Schmerz: Am obersten Lendenwirbel treten die Nerven aus, die den Dickdarm und die Leisten versorgen. St\u00f6rungen k\u00f6nnen Bauchdruck ausl\u00f6sen oder wie eine Reizung des Darms erscheinen. Trauen Sie also nicht immer dem vordergr\u00fcndigen Eindruck. Beobachten Sie sich selbst und sprechen Sie ihren Haus- oder Facharzt auf einen m\u00f6glichen Zusammenhang organischer Beeintr\u00e4chtigungen mit dem R\u00fccken an. Moderne Diagnostikverfahren und dann gegebenenfalls ambulante Verfahren wie die Mikrotherapie zur Behandlung k\u00f6nnen schnell Sicherheit schaffen und helfen, Lebensqualit\u00e4t wiederherzustellen.<\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><strong><span class=\"tm10\">Sie sind sehr engagiert in der Aufkl\u00e4rungsarbeit, auch in Schulen. Wie bemerken Sie, ob das positive Auswirkungen hat? Anders gefragt: Besonders beim Dauerthema Di\u00e4t f\u00e4llt einem immer wieder auf, dass wir doch eigentlich schon genug Informationen zur erfolgreichen Gewichtsreduzierung haben. Fehlt es den Menschen nicht eher an Disziplin und Motivation, es auch umzusetzen? Ist Information \u00fcberhaupt der richtige Ansatz?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Trotz vieler Bem\u00fchungen &#8211; die Volkskrankheiten nehmen zu. Nicht nur bei Erwachsenen. Inzwischen werden auch immer h\u00e4ufiger Kinder zu Patienten. Ohne Zweifel eine der gr\u00f6\u00dften gesundheitspolitischen Herausforderungen: der vorbeugende Kampf gegen Fehlern\u00e4hrung, Bewegungsmangel und \u00dcbergewicht als Ausl\u00f6ser von Zivilisationskrankheiten. Mehr als 60 Prozent der Erwachsenen, so die Weltgesundheitsbeh\u00f6rde WHO, bewegen sich zu wenig. Jeder Vierte ist v\u00f6llig passiv. In Deutschland sind rund 37 Millionen Erwachsene \u00fcbergewichtig, 30 Prozent ern\u00e4hren sich falsch. Insgesamt sind 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren \u00fcbergewichtig, 6 Prozent aller Kinder sogar krankhaft. M\u00f6gliche Folgen sind auch Diabetes, R\u00fccken- und Gelenkschmerzen, Herz-Kreislauf-Probleme. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">All das \u2013 wie auch der Altersdiabetes, der erschreckenderweise bereits Kinder erreicht \u2013 sind Krankheiten, die noch vor wenigen Jahren \u00e4lteren Jahrg\u00e4ngen vorbehalten waren. Und, ja, leider sind wir Erwachsenen nicht immer die besten Vorbilder: Wir sitzen zu viel, wir bewegen uns zu wenig, wir ern\u00e4hren uns einseitig. Gerade deshalb ist es wichtig, unser Leben zu hinterfragen, und gerade deshalb pl\u00e4diere ich f\u00fcr die Einf\u00fchrung eines Gesundheitsunterrichts bereits an Grundschulen. Nicht theoretisch-abstrakt, sondern mit Spa\u00df und vielen Bewegungspausen und Verbindung mit dem Schulsport und bewegten Schulpausen. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Meine langj\u00e4hrige Forderung ist eine Stunde Bewegung an jedem Tag in jeder Schule! Also Information, Sachwissen ja, aber nicht mit erhobenem Zeigefinger. Warum Gesundheitsunterricht bei Kindern? Weil wir wirklich fr\u00fch anfangen m\u00fcssen, Verst\u00e4ndnis zu wecken f\u00fcr die eigene Gesundheit, den eigenen K\u00f6rper. <\/span><span class=\"tm10\">Und eben daf\u00fcr, dass in Fast Food und in S\u00fc\u00dfgetr\u00e4nken meist unglaublich viel Zucker versteckt ist. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Wenn ich in einer Schulstunde \u201eWie kommen die Pommes in den Magen\u201c Kindern verdeutliche, wie viel konkrete Zuckerst\u00fccke in einer Cola sind, verstehen die Kinder auf einmal den Zusammenhang zwischen Zucker und Fett ganz anders. Ja, Information ist der richtige Ansatz, aber eben nicht abstrakt, sondern angepasst an die konkreten Lebenssituationen und mit viel Verst\u00e4ndnis. \u00dcbrigens auch daher mein \u201eKost-Fast-Nix-Kochbuch\u201c mit Rezepten f\u00fcr leckere und gesunde Speisen, die aber nicht teuer sind. Im Gegenteil g\u00fcnstiger sind als Essen im Fast-Food-Restaurant. Der lange Atem ist hier einfach notwendig. <\/span><span class=\"tm10\">Und vor allem immer mehr Grundschulen beginnen zu folgen!<\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><strong><span class=\"tm10\">Was w\u00fcrde P\u00e4dagoge Dietrich Gr\u00f6nemeyer in seinen Lehrplan f\u00fcr einen \u201eGesundheitsunterricht\u201c schreiben?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Wissensvermittlung mit Spa\u00df, ohne erhobenen Zeigefinger. In meinen B\u00fcchern mit dem \u201eKleinen Medicus\u201c habe ich eine Kombination aus Sachwissen und Abenteuergeschichte versucht. Jedes Kind sollte<\/span><span class=\"tm10\"> wissen, wie sein K\u00f6rper funktioniert, und was dieser K\u00f6rper braucht. Was ihm gut tut und was ihm schaden k\u00f6nnte. Gute Ern\u00e4hrung, viel Bewegung, Spa\u00df am Leben, an Kultur, Musik, an Lernen und Wissenschaft, an der Vielseitigkeit des Lebens, an der Unterschiedlichkeit. Jeder ist einzigartig \u2013 auch wenn wir vielleicht andere Hautfarben haben \u2013 im Prinzip sind wir alle gleich und besitzen die gleiche W\u00fcrde. Also auch Gewaltfreiheit und Toleranz w\u00fcrden zum Gesundheitsunterricht dazugeh\u00f6ren. Denn Mobbing, Cybermobbing Facebook, Aggression, Gewaltt\u00e4tigkeit geh\u00f6ren zu den aktuellen Themen, immer wieder bringen sich Kinder sogar schon um. Und Bewahrung der Natur, \u00f6kologische Themen also.<\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Lassen Sie mich noch zwei Beispiele herausgreifen.\u00a0<\/span><span class=\"tm10\">Weil Sie das Thema Di\u00e4ten ansprachen, auch dies ein Thema f\u00fcr den Gesundheitsunterricht. Immer wieder geistern neue Ern\u00e4hrungsm\u00e4rchen durch die Medien. Tausende von Ratschl\u00e4gen, die uns helfen sollen, schlanker zu werden. Verlass ist darauf in den seltensten F\u00e4llen. Denken wir nur an die zahllosen Empfehlungen strengen Fastens. Zwar kann man dabei kurzfristig abnehmen. Da aber bei diesen Hungerkuren nicht nur Fett, sondern auch Muskelmasse abgebaut wird, sinkt zugleich der Energiebedarf des K\u00f6rpers. Die Folge ist, sobald wir wieder normal essen, werden die Kalorien, die der K\u00f6rper nun nicht mehr braucht, zum Aufbau von Fettpolstern verwendet. Es kommt zu dem sogenannten Jojo-Effekt. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Das hei\u00dft, wenn er nicht eine langfristige Ern\u00e4hrungsumstellung nach sich zieht, ist der Versuch, ad hoc abzunehmen, zum Scheitern verurteilt. Die Empfehlung der Fastenkur taugt dann so wenig wie viele andere Ratschl\u00e4ge, etwa die Behauptung warme Mahlzeiten machen dick. Ist doch allein der Energiegehalt der Lebensmittel entscheidend. Ob sie warm oder kalt gegessen werden, spielt keine Rolle. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Auch macht nicht zwangsl\u00e4ufig d\u00fcnn, was unter dem Label \u201elight\u201c angepriesen wird. Die Bezeichnung kann f\u00fcr alles M\u00f6gliche stehen, f\u00fcr weniger Energie, weniger Koffein, weniger Kohlens\u00e4ure. Und oft genug verf\u00fchrt sie dazu, mit gutem Gewissen die doppelte Menge zu essen. Wer glaubt, das w\u00fcrde nichts tun, wenn er nur auf das Abendessen verzichte, l\u00e4sst sich abermals etwas vormachen. Am Ende z\u00e4hlt doch immer die Energiebilanz des ganzen Tages. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">So l\u00e4sst sich auch auf den Holzweg locken, wer der Behauptung glaubt, ohne Fr\u00fchst\u00fcck schneller abzunehmen. Hier droht sogar Gefahr f\u00fcr den K\u00f6rper. Denn tats\u00e4chlich ist die erste Mahlzeit des Tages die wichtigste. Sie liefert die Energie, die wir f\u00fcr den Start brauchen, etwa 25 Prozent des t\u00e4glichen Bedarfs. Wer ganz auf das Fr\u00fchst\u00fcck verzichtet, holt sich die fehlende Energie dann Stunden sp\u00e4ter oft bei Hei\u00dfhungerattacken zur\u00fcck \u2013 und dann meist mehr als n\u00f6tig. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Ein anderes Thema, das bei Jugendlichen, also in den h\u00f6heren Schulklassen, von gro\u00dfem Interesse sein kann, ist das Thema <\/span><span class=\"tm10\">E-Health. Dazu geh\u00f6ren telemedizinische Anwendungen wie die Teleradiologie, internetgest\u00fctzte Expertenkonsile, die elektronische Registrierung von Vitaldaten, medizinische Apps oder elektronisch unterst\u00fctzte Arzt-Patient-Gespr\u00e4che. Beinahe t\u00e4glich werden neue Anwendungsm\u00f6glichkeiten erschlossen, auf die immer mehr Menschen zugreifen. Derzeit nutzen bereits 34 Prozent der sportlich aktiven Frauen und M\u00e4nner Smartphones zur eigenen Gesundheits\u00fcberwachung. Bei den 14- bis 29-J\u00e4hrigen sind es schon \u00fcber 70 Prozent. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Das zeugt zwar von einem erfreulich wachsenden Gesundheitsbewusstsein, birgt allerdings auch Gefahren in sich. Wie bei allem kommt es auf das rechte Ma\u00df an. Man kann die Digitaltechnik wirklich sehr sinnvoll anwenden. Wir m\u00fcssen aber herangef\u00fchrt und f\u00fcr zur richtigen Nutzung eingewiesen werden, damit Hypochondrismus oder Falschinterpretationen der Daten vermieden werden. Denn kann man sich der Technik bedenkenlos ausliefern, wenn etwa Gewicht, Kalorienverbrauch und Blutdruck st\u00e4ndig gemessen werden, wenn unter dem Bett Sensoren die Schlafbewegungen aufzeichnen und man st\u00e4ndig nachschauen muss, ob man nun wirklich geschlafen hat?<\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Schon gesunde Kleinkinder werden immer \u00f6fter einem solchen \u201eMonitoring\u201c unterzogen. Und oftmals wirkt dann allein die F\u00fclle der Daten verwirrend. Treffen diese Informationen zudem auf medizinisches Halb- oder Nichtwissen, wird es allemal problematisch. Wenn der Pulsschlag von 60 auf 100 ansteigt, weil man gerade die Treppe hochgeht oder sich freut, dann kann das vom Laien als Symptom einer Krankheit missverstanden werden, ihn unn\u00f6tig \u00e4ngstigen oder gar ein hypochondrisches Verhalten nach sich ziehen. Dabei handelt es sich nur um eine ganz normale Folge muskul\u00e4rer oder psychischer Erregung. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Deshalb sollten die pers\u00f6nlich gesammelten Daten immer mit dem Arzt oder einem anderen kompetenten Therapeuten besprochen und ausgewertet werden. Wer seine K\u00f6rperdaten im Zusammenhang mit sportlichen Aktivit\u00e4ten sammelt und dabei Handys, Apps oder Armb\u00e4nder benutzt, kann und sollte sich in vielen F\u00e4llen auch von kompetenten Fitnesstrainern und Sporttherapeuten beraten lassen. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Sehr viel wichtiger als die eifrige Registrierung von Daten sind k\u00f6rperliche Anstrengung, Bewegung, Sport und Spiel, alles, was Freude und Wohlbefinden ausl\u00f6st. Wer blo\u00df auf Zahlen und Daten schaut, wei\u00df in aller Regel noch nichts \u00fcber sich und seinen K\u00f6rper, in jedem Fall aber zu wenig, um sich selbst behandeln zu k\u00f6nnen. Es besteht sogar die Gefahr, dass er das Gesp\u00fcr f\u00fcr seinen K\u00f6rper verliert, sich selbst fremd wird. Deshalb nicht zu sehr durch die Technik verf\u00fchren lassen! Weniger ist mehr \u2013 auch beim Herunterladen von Apps!<\/span><span class=\"tm10\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><strong><span class=\"tm10\">Was sagt es \u00fcber unsere Gesellschaft, dass sogar Kinder an Zivilisationskrankheiten wie \u00dcbergewicht sowie Stress leiden und Meditationskurse belegen sollen?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Wir leben in einer Zeit, in der Leistung, Fitness und Produktivit\u00e4t im Vordergrund stehen, wo alles immer schneller gehen soll, immer besser und immer mehr werden muss. Nur funktioniert das Leben eben nicht nach dem Prinzip des Leistungssports weiter, h\u00f6her, schneller. Es l\u00e4sst sich nicht immer alles noch mehr steigern! <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Stress treibt uns einerseits an, etwas zu tun. Aktiv zu sein, das eigene Leben zu gestalten, in Bewegung zu sein, k\u00f6rperlich und geistig ist ja notwendig. Aber chronischer negativer Stress ist es eben, der zu Anspannung, dann zur Muskel-Verspannung und dann m\u00f6glicherweise zu chronischen Schmerzproblemen wie auch Arthrosen der Wirbelgelenke oder Bandscheibenl\u00e4sionen f\u00fchren kann. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Der R\u00fccken ist eben auch ein psychosomatisches Organ, alles ist mit dem R\u00fccken verbunden, die inneren Organe durch die Nerven \u2013 aber auch alles, was uns seelisch bedr\u00fcckt, kann sich im R\u00fccken ausdr\u00fccken. Also kommt es darauf an, so schnell wie m\u00f6glich entgegenzuwirken. Ich hatte vorhin schon ein paar Gedanken dazu formuliert. Gegengewichtige sind Bewegung und nochmals Bewegung, positives Denken, sich Zeit nehmen f\u00fcr Dinge, die wir lieben. Und wenn wir merken, dass unsere Kinder in chronischem Stress sind <strong>\u2013\u00a0<\/strong>sofort kl\u00e4ren, woran das liegt, was sich konkret \u00e4ndern l\u00e4sst. Negativer Stress schafft leider auch noch andere Voraussetzungen f\u00fcr Volkskrankheiten wie Gef\u00e4\u00dfverkalkungen, hohen Blutdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Zuckerkrankheit oder Immunschw\u00e4chen.<\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><strong><span class=\"tm10\">Liebe geht durch den Magen, Gesundheit aber auch. Eine Ihrer Schw\u00e4chen soll die Kombination \u201eCurrywurst, Kino, D\u00f6ner\u201c sein <\/span><span class=\"tm10\">\u2013<\/span><span class=\"tm10\"> das d\u00fcrfen Sie aber nicht in Ihren B\u00fcchern schreiben?!<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Doch, dazu stehe ich, nat\u00fcrlich habe ich es schon geschrieben, Sie w\u00fcssten es ja sonst vielleicht auch nicht? Aber alles in Ma\u00dfen \u2013 eben gelegentlich einmal, sozusagen als ein Ritual, eine Erinnerung an fr\u00fchere Zeiten, mit Kino kombiniert. Aber dann am n\u00e4chsten Tag viel Bewegung, Salat und Gem\u00fcse. Und im Curry ist viel Gelbwurz, ein sehr heilsames Gew\u00fcrz gegen Entz\u00fcndungen, au\u00dferdem Koriander, Ingwer, Chili, K\u00fcmmel etc. Alles gute Gew\u00fcrze, um die Verdauung anzuregen. Die braucht man auch bei dem vielen Fett der Wurst und dar\u00fcber hinaus.<\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><strong><span class=\"tm10\">Medizinische Disziplinen sollen interdisziplin\u00e4rer zusammenarbeiten. K\u00f6nnen Sie Beispiele nennen, wo das schon gut funktioniert und wo es noch Nachholbedarf gibt? <\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msobodytext2 tm9\"><span class=\"tm10\">In unserem Versorgungssystem zwischen Hausarzt, Fach\u00e4rzten und Krankenhaus <\/span><span class=\"tm10\">wird<\/span><span class=\"tm10\"> meiner Einsch\u00e4tzung nach ein<\/span><span class=\"tm10\">em <\/span><span class=\"tm10\">Aspekt noch nicht gen\u00fcgend Aufmerksamkeit gewidmet. Das sind organspezifische Kompetenzzentren, in denen <\/span><span class=\"tm10\">Experten<\/span><span class=\"tm10\"> verschiedener Disziplinen im Team zusammenarbeiten<\/span><span class=\"tm10\">, so dass eine sektoren\u00fcbergreifende Interdisziplinarit\u00e4t entsteht, auch die<\/span><span class=\"tm10\"> Br\u00fccke zwischen ambulanter Medizin und Krankenhausmedizin. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msobodytext2 tm9\"><span class=\"tm10\">Solche<\/span><span class=\"tm10\"> Kompetenzzentren <\/span><span class=\"tm10\">sollten<\/span><span class=\"tm10\"> zur Behandlung von Volkskrankheiten wie Erkrankungen der Wirbels\u00e4ule, des Herzens und der Gef\u00e4\u00dfe, der Gelenke, bei Brustkrebs oder Diabetes, f\u00fcr Kinderkrankheiten und so weiter vordringlich <\/span><span class=\"tm10\">auf- oder ausgebaut werden<\/span><span class=\"tm10\">. Auch Krankenh\u00e4user <\/span><span class=\"tm10\">k\u00f6nnten<\/span><span class=\"tm10\"> sich unter diesem Aspekt <\/span><span class=\"tm10\">verst\u00e4rkt<\/span><span class=\"tm10\"> themenspezifisch auf<\/span><span class=\"tm10\">stellen<\/span><span class=\"tm10\"> und neue Schwerpunkte definieren. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msobodytext2 tm9\"><span class=\"tm10\">Unter dem Gesichtspunkt Kostenoptimierung geht es dort <\/span><span class=\"tm10\">nat\u00fcrlich <\/span><span class=\"tm10\">darum, kritisch die Krankenhausliegezeit zu reflektieren und die Patientenversorgung m\u00f6glichst optimal zu \u201emanagen\u201c. Aber gerade die F\u00fcrsorge und zum Teil auch Seelsorge, insbesondere wenn es sich um einen leidenden, chronisch erkrankten oder schmerzkranken Patienten oder einen vom Tode bedrohten Patienten handelt, ist unter dem finanziellen Gesichtspunkt so gut wie nicht zu erfassen. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msobodytext2 tm9\"><span class=\"tm10\">Daher halte auch ein reines Fallpauschalensystem<\/span><span class=\"tm10\">, <\/span><span class=\"tm10\">die station\u00e4ren Erstattungssysteme also, die<\/span><span class=\"tm10\"> diesen Aspekt nicht gro\u00dfz\u00fcgig ber\u00fccksichtig<\/span><span class=\"tm10\">en<\/span><span class=\"tm10\">, f\u00fcr <\/span><span class=\"tm10\">sehr <\/span><span class=\"tm10\">problematisch und dringend renovierungsbed\u00fcrftig. Wenn ein Patient das Krankenhaus verl\u00e4sst, sollte er eigentlich gesund sein und vor allen Dingen auch Kraft bekommen haben, sein Leben wieder positiv zu gestalten. <\/span><span class=\"tm10\">Das ist oftmals nicht der Fall.<\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Wof\u00fcr ist ich seit Jahrzehnten pl\u00e4diere ist eine ganzheitliche, integrative, aber auch personalisierte Individualmedizin \u2013 wenn m\u00f6glich ambulant, von leicht nach schwer. Diesen Ansatz versuchen wir mit einem interdisziplin\u00e4ren Team aus \u00c4rzten und Therapeuten verschiedener Fachrichtungen im Bochumer und Berliner Gr\u00f6nemeyer Institut f\u00fcr Mikrotherapie zu verwirklichen. Und ebenso in Hamburg und station\u00e4r in der Abteilung f\u00fcr Multimodale Schmerztherapie in der Fachklinik Ratingen. Ich glaube, dass es funktioniert. Sonst k\u00f6nnten wir nicht das 20j\u00e4hrige Jubil\u00e4um des Instituts in Bochum in diesem Jahr feiern. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">\u00dcbrigens gibt es auch viele Einrichtungen, Arztpraxen, Krankenh\u00e4user, therapeutische Einrichtungen, Pflegeeinrichtungen, an denen ganz wunderbare Menschen mit \u00fcberzeugenden Konzepten arbeiten, wie in unserer Abteilung f\u00fcr Multimodale Schmerztherapie in der Fachklinik 360Grad in Ratingen. Auf die medizinische Vernetzung kommt es an, auch mit den Haus\u00e4rzten, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten, Apothekern und Naturheilkundlern sowie anderen Berufsgruppen. Deshalb habe ich auch vor kurzem den Impuls zu einer \u201eRuhrMedicinale\u201c gegeben, eine Veranstaltung zun\u00e4chst in meiner Heimatregion, dem Ruhrgebiet, wo sich Menschen und Einrichtungen aus der Medizin darstellen und vernetzen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><strong><span class=\"tm10\">Woraus ziehen Sie selbst Ihre Lebensenergie, was h\u00e4lt Sie in Balance?\u00a0<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Erst einmal verstehe ich dieses Leben als Geschenk, und ich genie\u00dfe, soweit m\u00f6glich, jeden Tag. Ich liebe die Menschen, die Natur und das Leben. Und freue mich\u00a0\u2013 selbst in schweren Zeiten\u00a0\u2013 gemeinsam mit anderen Menschen die Welt von morgen mitzugestalten. Aber nicht dogmatisch, sondern mit Toleranz, Respekt und in solidarischen Diskussionen. Und ich wei\u00df, dass man f\u00fcr Ver\u00e4nderung einen langen Atem braucht. <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><strong><span class=\"tm10\">Wie schaffen Sie es, bei Ihrem Terminkalender nicht auszubrennen\u00a0\u2013 oder passiert Ihnen das auch?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Ja, es gibt schon Phasen, wo Termine extrem eng und viel sind. Das geht an mir nicht spurlos vor\u00fcber. Ich brauche auch immer wieder mal eine Auszeit, alleine, mit meinen Liebsten oder Freunden \u2013 manchmal nur eine Wanderung am Wochenende, ein sch\u00f6nes Kulturerlebnis \u2013 manchmal aber auch eine Woche Ayurveda zur Regeneration, k\u00f6rperlich und seelisch.<\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><strong><span class=\"tm10\">Ist Dietrich Gr\u00f6nemeyer auch abh\u00e4ngig vom Handy?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Das Handy ist f\u00fcr mich ein Arbeitsinstrument, das inzwischen unverzichtbar ist im normalen Tagesablauf. Zumal ich immer wieder auch Termine an anderen Orten habe, letztlich eine Lesereise in Oberitalien an verschiedenen Orten. Aber die Gefahr des Handynackens kenne ich nat\u00fcrlich. Und soweit ich kann, gestalte ich bewusst Phasen ohne Handynutzung. Bei der \u00e4rztlichen T\u00e4tigkeit und auch in Schreibphasen kann mich das Handy tats\u00e4chlich st\u00f6ren und \u201erausrei\u00dfen\u201c. Es bleibt immer h\u00e4ufiger liegen!<\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><strong><span class=\"tm10\">Sie h\u00f6ren angeblich gern Musik. Auch als Stimmungsaufheller? Was h\u00f6ren Sie, wenn Sie so richtig schlecht drauf sind?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Ich liebe Musik seit meiner Kindheit, habe ja auch selbst Klavier und Gitarre gelernt und mit meinen Br\u00fcdern im Chor gesungen. Bedudeln lassen wie in Kaufh\u00e4usern stresst mich total. Mein Geschmack ist breit. Klassischer Musik bis brasilianischer Musik, von Jazz, Soul, Rock\u2019n Roll bis HipHop. Wenn ich richtig schlecht drauf bin, h\u00f6re ich den Messias von H\u00e4ndel.\u00a0 <\/span><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><strong><span class=\"tm10\">Was wir schon immer mal wissen wollten: Welches ist Ihr Lieblingssong von ihrem kleinen Bruder Herbert\u00a0\u2013 \u201eMensch\u201c?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"tm8 yiv3535807515msonormal tm9\"><span class=\"tm10\">Bochum! <\/span><span class=\"tm10\">&#8230; ich komm aus Dir, &#8230; ich, Dietrich Gr\u00f6nemeyer &#8230; bin noch hier!<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Stunde Bewegung am Tag in Schulen, \u00c4rzte mit mehr Zeit und Empathie f\u00fcr Patienten und vor allem: 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