Der Mensch zählt

Wie gelingt es einem Unternehmen, 100 Jahre lang erfolgreich zu sein? Man stellt, wie Budni Geschäftsführer Cord Wöhlke, den Menschen in den Mittelpunkt.

Sie legen großen Wert auf unternehmerische Verantwortung. Was verstehen Sie darunter?

Alles was wir tun, hat Auswirkungen. Darum bemühen wir uns als familiengeführtes Unternehmen in der dritten, bald vierten Generation um eine Situation, in der alle gewinnen. Wir wollen nicht zulasten von Natur und Mensch agieren. Budni ist regional verankert. Unsere Verantwortung gilt vor allem der Metropolregion Hamburg und den Menschen, die hier leben.

Welche Probleme nehmen Sie in Hamburg wahr?

Als Einzelhändler agieren wir in allen Stadtteilen, auch in sozialen Brennpunkten. Dort erleben wir, wie sehr die Gesellschaft sich verändert hat. Die Familie hat an Bedeutung verloren, der Staat zieht sich aus der Verantwortung zurück. Daraus ergeben sich Probleme. Bürger wie Unternehmen sind gefragt. Das Thema Nachbarschaft wird künftig einen anderen Stellenwert einnehmen.

Wie zeigt sich Ihr verantwortliches Handeln konkret?

Wir setzen uns dafür ein, dass Hamburg eine Metropole des Wissens wird. Mit dem Budni-Bildungsforum widmen wir uns der Verbesserung frühkindlicher und kindlicher Bildung. In diesem Jahr möchten wir Kinder für Umweltzusammenhänge interessieren.

Die Budnianer Hilfe e. V. Unterstützt Projekte im Vorschul- und Schulbereich. Wir befürworten die Ganztagsschule und Investitionen in die Hochschulen. Im Integrationsbeirat setze ich mich für ein produktives Miteinander der Kulturen ein. Eine gute Bildung kann den gesellschaftlichen Aufstieg, die Durchlässigkeit des Systems befördern.

Welche Rolle spielt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Die ist mir als Regionalbotschafter des Programms „Erfolgsfaktor Familie“ sehr wichtig. Durch viele Maßnahmen erleichtern wir die Rückkehr von Müttern ins Unternehmen, beispielsweise durch die Möglichkeit, Führungspositionen in Teilzeit auszufüllen.

Was treibt Sie als Unternehmer an?

Ich möchte die Welt etwas menschlicher machen. Geprägt von den 68ern, bin ich Verfechter der sozialen Marktwirtschaft. Leider gewinnt die angelsächsische Form des Kapitalismus immer mehr Einfluss. Schwierig ist besonders die Überdehnung des Finanzsektors.

Ich bezweifle, dass Gewinnmaximierung allein Sinn unternehmerischen Handelns sein kann. Nur Handeln, das von der Verantwortung für Mensch und Erde geprägt ist, erreicht Nachhaltigkeit.

Wie zeigt sich diese besondere Unternehmenskultur bei Budni?

Bei uns zählt der Mensch. Wir sehen unsere Mitarbeiter ganzheitlich. Das spüren sie. Mit vielen kleinen Gesten suchen wir den Kontakt. So laden wir Jubilare regelmäßig zu uns nach Hause zum Essen ein. Meine Frau kocht dann, ich serviere den Gästen. Auch bei Schwierigkeiten versuchen wir zu helfen.

Die Nähe zu unseren Mitarbeitern drückt sich auch darin aus, dass viele bereits in der dritten Generation bei Budni arbeiten.